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Optogenetik

Optogenetik-Studie startet voraussichtlich Anfang 2018

Von Michael Emmerich
Veröffentlicht am 03.02.2018

Wie die Firma GenSight Biologics mitteilte, könnte noch im ersten Quartal 2018 eine klinische Studie in Großbritannien starten, in der durch optogenetische Schalter ein gewisses Sehen bei RP-Patienten wieder zurückgewonnen werden soll.

Bei diesem Behandlungsversuch handelt es sich um einen gentherapeutischen Ansatz, bei dem mithilfe eines Virus ein spezielles Gen in die Ganglienzellen der Netzhaut transportiert wird. Dort dient es als Bauplan für die Herstellung eines lichtempfindlichen Proteins.
Im Gegensatz zu der klassischen Form der Gentherapie, könnte durch den Einsatz der Optogenetik eine große Anzahl von Netzhautdystrophien behandelt werden, auch wenn diese auf unterschiedliche Gendefekte zurückzuführen sind. Das liegt daran, dass bei dieser Technologie nicht der individuelle genetische Defekt behandelt wird, sondern Ganglienzellen der Netzhaut ähnlich wie Photorezeptoren zu Lichtdetektoren umfunktioniert werden. Für Menschen mit einer Zapfen-Stäbchen-Dystrophie könnte sich daher die Möglichkeit bieten, dass Erfolge in diesem Bereich auch ihnen zugutekommen.
Bisher ist jedoch dieses Protein mit dem Namen Kanal-Rhodopsin-2 nicht so lichtempfindlich, wie die optogenetischen Schalter in den Sehzellen. Aus diesem Grund konstruierten Wissenschaftler eine VR- Brille, die die erforderliche Beleuchtung für die Stimulierung erzeugt. Dass dadurch vor allem ZSD-Patienten schnell geblendet sind, ist derzeitig nicht auszuschließen. Zusätzlich könnte sich auch noch ein weiterer Nachteil ergeben. Unsere Netzhaut funktioniert wie ein kleiner Computer, der die einzelnen Signale der Sehzellen erst vorverarbeitet, bevor sie an das visuelle Gehirn geleitet werden. Diese Aufgabe erfüllen viele unterschiedliche Netzhautzellen, die zum Beispiel Kontraste verstärken oder Bewegungsrichtungen analysieren. Da die Ganglienzellen mit ihren neuen optogenetischen Schaltern jedoch bildlich gesagt am Ausgang des Computers liegen, werden ihre Signale unverarbeitet gesendet. Wie unser Gehirn diese Informationen interpretieren und welcher Nutzen diese Entwicklung dem Patienten bringen wird, bleibt vorerst eine spannende Frage.

Quellen:
http://www.haz.de/Sonntag/Technik-Apps/Eine-neue-Seehilfe

https://www.rpfightingblindness.org.uk/newsevent.php?tln=newsevents&newseventid=622

https://labiotech.eu/gensight-retinitis-pigmentosa/