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Transkorneale Elektrostimulation

Von Michael Emmerich
Veröffentlicht am 04.09.2017
Quelle:
Retina Implant Okustim

Seit über einhundert Jahren gibt es immer wieder Meldungen, in denen über die Behandlung verschiedener Augenerkrankungen mit Hilfe einer Elektrostimulation berichtet wird. Jetzt wird dieser Behandlungsmöglichkeit neue Aufmerksamkeit geschenkt, da Patienten nach der Transplantation eines Retinachips, auch nach dem Abschalten der Sehprotese von einer Sehverbesserung berichteten. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass durch die Elektrostimulation mittels Retinaimplantat mehrere sogenannte neuroprotektive Wachstumsfaktoren aktiviert wurden, die zu einer verstärkten Zellaktivität führten.

2011 konnte die erste wissenschaftliche klinische Studie bei Retinitis Pigmentosa Patienten zeigen, dass Einige von ihnen von der Elektrostimulation profitierten.
Diese Studie dauerte 6 Wochen und umfasste 24 Patienten.
Inzwischen wurde die Transkorneale Elektrostimulation (auch TES genannt) bei ca. 150 Patienten auch über längere Zeiträume getestet und von mehreren Gremien als sicher angesehen. Zu diesen Gremien zählt unter anderem auch der Arbeitskreis Klinische Fragen der Pro Retina, der sich im März 2014 mit verschiedenen Fragestellungen zu diesem Thema beschäftigt hat. Unter anderem kam er zu der Einschätzung, dass gegen die Transkorneale Elektrostimulation keine Einwände bestehen, wenn diese Behandlung auch bei anderen generalisierten erblichen Netzhautdystrophien angewendet wird (Zapfen- und Stäbchendystrophien, Chorioideremie, Usher-Syndrom u.a.). Seit dem wird die Elektrostimulation auch ZSD Patienten zur Verfügung gestellt, die außerhalb klinischer Studien das Gerät in Eigenfinanzierung nutzen.
Wie auf unserem ZSD Patientenseminar 2017 eine Mitarbeiterin der Firma Retina Implant mitteilte, berichten inzwischen mehrere ZSD Patienten, dass sich ihr sehen durch die TES verbessert hat.
Für die Stimulation wird ein spezielles Brillengestell verwendet, das die Befestigung einer dünnen fadenförmigen Elektrode ermöglicht. Diese wird unterhalb der Pupille auf das Auge gelegt, wo sie den Strom an die Hornhaut abgibt. Den Strom erhält die Elektrode von einem kleinen Minicomputer, der mit einer Speicherkarte ausgestattet ist.
Auf ihr werden alle individuellen Parameter der Behandlung gespeichert, die zuvor mit dem behandelnden Arzt festgelegt wurden.
Da der Minicomputer neben einem Display auch über eine Sprachausgabe verfügt, kann er auch mit großen Seheinschränkungen selbstständig benutzt werden.
Zurzeit wird eine Stimulationsdauer von 30 Minuten einmal pro Woche empfohlen.
Betroffene, die eine TES durchführen möchten, müssen sich zuerst an ihren Augenarzt wenden. Dieser stellt fest, ob die TES für sie die richtige Behandlungsmethode ist und kann daraufhin ein Rezept dafür ausstellen.
Das erforderliche Gerät erhalten sie in Deutschland von zertifizierten Low-Vision Optikern.

Achtung!

Bevor Sie das Gerät käuflich erwerben, können Sie einen Antrag zwecks Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse stellen. Falls erforderlich, ist ein Rechtsbeistand wie zum Beispiel die rbm gemeinnützige GmbH –
Rechte behinderter Menschen, als wichtiger Ansprechpartner zu empfehlen.

Wichtige Hinweise für die TES bis hin zu Hilfestellungen für die Kostenübernahme finden sie unter folgendem Link:

Der Weg zur RI Therapie

Leider muss davon ausgegangen werden, dass evidenzbasierte Informationen aus klinischen Studien für die Zapfen-Stäbchen-Dystrophie nicht zu erwarten sind. Daher ist jeglicher Erfahrungsaustausch zu dieser Behandlung äußerst wichtig und hilft die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Wenn Sie bereit sind Ihre Erfahrungen in einem kurzen Text zusammenzufassen, der auf dieser Webseite den anderen Betroffenen anonym zur Verfügung gestellt wird, könnten Sie eventuell vielen Menschen helfen und für etwas mehr Klarheit bei dieser Behandlungsmetode beitragen.

Kontakt:
Michael Emmerich
030/6598262

hier geht es zu den Erfahrungsberichten mit der TES