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Optogenetik

Nanoscope Therapeutics gibt positive Ergebnisse der Phase-2b-Studie bekannt

Von Michael Emmerich
Vom 30. März 2023

Die Rekrutierung für die RESTORE-Studie mit dem Wirkstoff MCO-010 zur Behandlung der Retinitis pigmentosa (RP) konnte am 7. Februar 2022 abgeschlossen werden und umfasste 27 Patienten. In der multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Phase-2b-Studie kam ein durch Umgebungslicht aktivierbarer optogenetischer Schalter zum Einsatz, der unabhängig von der individuellen Mutation eingesetzt werden kann. In dieser Studie erhielten 18 Patienten mit einer schweren Form der RP eine Injektion in den Glaskörper und 9 eine Placeboinjektion. Bei 16 Patienten, die mit MCO-010 behandelt wurden, zeigte sich eine Verbesserung der Leuchtdichte um zwei Stufen oder mehr in dem Multi-Luminance Mobility Test (MLMT). Bei diesem Test müssen die Patienten einen Parcours mit Hindernissen bei der für sie geringsten Beleuchtungsstufe bewältigen. Nach einer Dunkeladaptationszeit von 40 Minuten müssen sie den Parcours in 3 Minuten durchqueren und dürfen dabei maximal drei Fehler machen. Das Beleuchtungsspektrum umfasst die Helligkeit von einem bis 400 Lux, das in 7 Beleuchtungsstufen unterteilt ist. Des Weiteren verbesserte sich bei einigen die Sehschärfe um mehr als zwei Buchstabenreihen. Zusätzlich zu dem Nachweis einer klinisch bedeutsamen Wirkung, wurde MCO-010 gut vertragen, und es wurden keine schwerwiegenden oder schweren okulären oder systemischen unerwünschten Ereignisse gemeldet.

Abschluss der Rekrutierungsphase von Nanoscope

Von Michael Emmerich
Veröffentlicht am 17.03.2022

Am 8. Februar gab die Firma Nanoscope bekannt, dass die Rekrutierung der Studienteilnehmer für die Phase 2B abgeschlossen ist. Topline-Daten werden im ersten Quartal nächsten Jahres erwartet. In die Studie wurden 27 Patienten mit vorangeschrittener Retinopahtia Pigmentosa (RP) aufgenommen, von denen ein Teil entweder eine MCO-010-Injektion oder eine Scheininjektion erhält. Diese Behandlung ist nicht genspezifisch und wird auch inzwischen auf ihre Wirksamkeit für Stargardtpatienten geprüft.

Vielversprechende Ergebnisse durch optogenetischen Therapieversuch

von Michael Emmerich

vom Juni 2021

Auf der Jahrestagung 2020 der American Academy of Ophthalmology, wurden erste positive Ergebnisse der Phase 1/2a Studie, der Firma Nanoscope präsentiert. Wie einer Pressemeldung am 03.06.2021 zu entnehmen ist, halten diese bedeutsamen Verbesserungen auch nach 52 Wochen an. Der lichtempfindliche optogenetische Schalter MCO (multicharakteristisches Opsin) der Firma Nanoscope, gehört zu einer neuen Generation von Proteinen, bei denen bereits das Umgebungslicht  eine Reaktion auslösen kann. Darüber hinaus reagiert es auf alle Farben des sichtbaren Lichts, während frühere optogenetische Schalter nur bei einer bestimmten Farbe des Lichts und einer äußerst starken Beleuchtung ansprachen. Eine klinische Studie der Phase 1/2a, an der 11 Patienten mit Retinopathia Pigmentosa  (RP) teilnahmen, zeigte jetzt, dass alle Probanden subjektiv und objektiv von der Behandlung profitierten. Dies wurde nicht nur durch Mobilitätstests nachgewiesen, sondern ermöglichte den Betroffenen auch mehr Aktivitäten im täglichen Leben. Bei sechs von sieben Patienten der Hochdosisgruppe konnte sogar auf der Lesetafel eine Verbesserung um 15 Buchstaben festgestellt werden. Neben dem Lesen von großen Buchstaben war es Einigen sogar möglich, acht Wochen nach der Therapie, auf eine Begleitperson für den Weg zur Augenklinik zu verzichten.

Ein neuer optogenetischer Schalter ermöglicht das Sehen mit Umgebungslicht
von Michael Emmerich und Dr. Denise Jahn
Schon seit vielen Jahren ist die Optogenetik ein wichtiges Werkzeug in der Grundlagenforschung. Lichtsensible Proteine können als Schalterverwendet werden, um gezielt bestimmte Prozesse in Zellen zu
regulieren. Auf diese Weise wurden bereits zahllose Zellfunktionen erforscht, was vorher undenkbar war. Darüber hinaus können solche Proteine eine lichtabhängige Potentialänderung in Zellen hervorrufen, so
dass Licht in ein elektrisches Signal verwandelt werden kann. Dies stellt besonders im Rahmen der Therapieentwicklung für Netzhautdegenerationen eine große Chance dar. Jedoch wurde die
Optogenetik hier noch vor große Herausforderungen gestellt, da grundlegende Probleme den Nutzen einschränkten. Eines davon war die geringe Lichtempfindlichkeit der Proteine, die als Lichtschalter in den
Zellen fungierten. In den ersten klinischen Studien mussten deshalb die Patienten mit einer digitalen Brille versorgt werden, die das Umgebungslicht deutlich verstärkte. Hierdurch könnte es jedoch bei einer
längeren Anwendung dieser hohen Lichtdosen zu ungewünschten Reaktionen in der Netzhaut kommen, die den Degenerationsprozess beschleunigen.
Noch im Jahr 2020 ist durch die Firma Nanoscope in den USA eine erste klinische Studie geplant, in der der Therapieeffekt durch die Verwendung eines neuen Proteins am Patienten untersucht werden soll.
Zum Einsatz kommt dann ein neuer optogenetischer Schalter mit der Abkürzung MCO1, die sich von der Bezeichnung „multicharakteristisches Opsin“ ableitet. Dieses Protein ist hoch lichtempfindlich und ermöglicht eine Aktivierung durch Umgebungslicht, weshalb keine lichtverstärkende elektronische Brille mehr benötigt wird. Die Methode konnte bereits im Mausmodell erprobt werden und erlaubte es, vorher blinden Mäusen sich wieder im Raum zu orientieren. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Therapie das Sehen der Patienten deutlich verbessern könnte. Möglicherweise würde sie den Patienten eine Sehschärfe in 20 Metern Entfernung ermöglichen, die Normalsichtige in 60 Metern besitzen. Dies
entspräche einem Visus von 0,33. Die Behandlung basiert auf einem gentherapeutischen Eingriff, bei dem
AAV-Viren als Gentaxis mit einer sehr dünnen Kanüle in den Glaskörper des Auges gespritzt werden. Von dort aus wandern Sie weiter bis zu den Bipolarzellen, um dort das MCO1-Gen einzuschleusen. Dieses Gen dient dann der Zelle als Bauplan für den lichtempfindlichen MCO1 Schalter und ermöglicht ihr, ähnlich wie eine Sehzelle, auf Licht zu reagieren. Dadurch bietet dieses Verfahren auch Patienten einen
Therapieerfolg, bei denen durch die Degeneration bereits keine Sehzellen mehr vorhanden sind und könnte somit bei einer Vielzahl von unterschiedlichen Netzhautdegenerationen zum Einsatz kommen.
Abschließend soll noch darauf hingewiesen werden, dass im Gegensatz zu subretinalen Injektionen, durch das hier beschriebene Verfahren, die gesamte Netzhaut durch eine einzige Anwendung behandelt wird und der Therapieeffekt nicht auf bestimmte Gesichtsfeldareale beschränkt bleibt. Die Erfolge der  klinischen Studie könnten wegweisend für den Fortschritt der Optogenetik in der Therapieentwicklung sein. Die Publikation erschien im Herbst 2020 in der Fachzeitschrift „Nature
Gene Therapy“ und ist nicht frei zugänglich:
“Sensitization of ON-bipolar cells with ambient light activatable multi-
characteristic opsin rescues vision in mice. Batabyal S, Gajjeraman S,
Pradhan S, Bhattacharya S, Wright W, Mohanty S. Gene Ther. 2020 Oct
22. doi: 10.1038/s41434-020-00200-2.”
Eine dazugehörige Pressemitteilung ist zu finden unter der Quelle:
https://www.de24.news/de/2020/10/neu-entwickeltes-lichtempfindliches- protein-stellt-das-sehvermoegen-blinder-maeuse-wieder-her.html

Optogenetik-Studie startet voraussichtlich Anfang 2018

Von Michael Emmerich
Veröffentlicht am 03.02.2018

Wie die Firma GenSight Biologics mitteilte, könnte noch im ersten Quartal 2018 eine klinische Studie in Großbritannien starten, in der durch optogenetische Schalter ein gewisses Sehen bei RP-Patienten wieder zurückgewonnen werden soll.

Bei diesem Behandlungsversuch handelt es sich um einen gentherapeutischen Ansatz, bei dem mithilfe eines Virus ein spezielles Gen in die Ganglienzellen der Netzhaut transportiert wird. Dort dient es als Bauplan für die Herstellung eines lichtempfindlichen Proteins.
Im Gegensatz zu der klassischen Form der Gentherapie, könnte durch den Einsatz der Optogenetik eine große Anzahl von Netzhautdystrophien behandelt werden, auch wenn diese auf unterschiedliche Gendefekte zurückzuführen sind. Das liegt daran, dass bei dieser Technologie nicht der individuelle genetische Defekt behandelt wird, sondern Ganglienzellen der Netzhaut ähnlich wie Photorezeptoren zu Lichtdetektoren umfunktioniert werden. Für Menschen mit einer Zapfen-Stäbchen-Dystrophie könnte sich daher die Möglichkeit bieten, dass Erfolge in diesem Bereich auch ihnen zugutekommen.
Bisher ist jedoch dieses Protein mit dem Namen Kanal-Rhodopsin-2 nicht so lichtempfindlich, wie die optogenetischen Schalter in den Sehzellen. Aus diesem Grund konstruierten Wissenschaftler eine VR- Brille, die die erforderliche Beleuchtung für die Stimulierung erzeugt. Dass dadurch vor allem ZSD-Patienten schnell geblendet sind, ist derzeitig nicht auszuschließen. Zusätzlich könnte sich auch noch ein weiterer Nachteil ergeben. Unsere Netzhaut funktioniert wie ein kleiner Computer, der die einzelnen Signale der Sehzellen erst vorverarbeitet, bevor sie an das visuelle Gehirn geleitet werden. Diese Aufgabe erfüllen viele unterschiedliche Netzhautzellen, die zum Beispiel Kontraste verstärken oder Bewegungsrichtungen analysieren. Da die Ganglienzellen mit ihren neuen optogenetischen Schaltern jedoch bildlich gesagt am Ausgang des Computers liegen, werden ihre Signale unverarbeitet gesendet. Wie unser Gehirn diese Informationen interpretieren und welcher Nutzen diese Entwicklung dem Patienten bringen wird, bleibt vorerst eine spannende Frage.

Quellen:
http://www.haz.de/Sonntag/Technik-Apps/Eine-neue-Seehilfe

https://www.rpfightingblindness.org.uk/newsevent.php?tln=newsevents&newseventid=622

https://labiotech.eu/gensight-retinitis-pigmentosa/